Gott

Die klassische Gretchenfrage: "Glaubst du an Gott?" kann ich gar nicht beantworten ohne in ein Stottern zu kommen, weil mein Bauch nein sagt, das Herz ja, der Kopf nein und und egal was ich davon ausspreche, werde ich mehrere Mißverständnisse erzeugen, da das Wort Gott bewusst und auch unbewusst mit so vielen Bedeutungen überladen ist, daß ich mindestens dazu noch eine halbe Stunde erklären müsste, um eine befriedigende Klarheit zu hinterlassen.

Unabhängig davon sollte die Frage auch besser "spürst du Gott?" oder "wie nimmst du Gott wahr?" lauten als "glaubst du an Gott?" weil glauben ein frühe Station auf dem Weg des Erkennens ist. Solange man etwas nicht sicher weiß sollte man natürlich seiner eignen Intuition folgen, egal was andere sagen, aber auch wenn man erstmal andere Meinungen annimmt ist das weniger tragisch, solange man diese Haltung ehrlich und ausdauernd prüft bis man durch eigene Erfahrungen, Reflektion zu einer direkten Wahrnehmung die Wahrheit kommt. Der Glaube anderer ist nichts zum Beurteilen, sondern sollte mit Achtung geschützt werden, so wie man mit Kindern umgeht die mit leuchtenden Augen und lachendem Mund selbstausgedachten Quatsch erzählen. Als unsere geliebten Kinder brauchen sie Halt uns Anerkennung um erwachsen und selbständig handlungsfähig zu werden. Hat jemand eine direkte Wahrnehmung von Gott, wird ja es auch erst wirklich lohnend darüber inhaltlich zu reflektieren was er sagt, was nicht heissen soll das eine reiche Phantasie oder wage Ahnungen nicht bereichernd sein können.

Damit habe ich die Gretchenfrage eigentlich schon beantwortet, denn natürlich nehme ich da etwas wahr, das man Gott nennen könnte aber das Wort ruft in mir keine besonders schönen Gefühle hervor, weswegen ich es gerne meiden würde, wenn es denn nicht so praktisch wäre, weil es fast jedermann auch ohne lange Erklärung halbwegs versteht. Aber was meint man mit Gott eigentlich genau?

Gedankliche Vorstellungen von einem höheren Wesen oder einer Macht sortier ich schon mal aus, auch wenn viele Menschen letztlich nur eine solche haben wenn sie von Gott sprechen und viele Menschen auch glauben dies sei die Grundlage sämtlicher Gotteswahrnehmung. Diese einfachen Mißverständnisse ließen sich leicht auflösen, würde Erziehung mehr Rücksicht auf Individualität der Kinder nehmen, ihre Gefühle nicht verletzen und wenn echte geistige Ausbildung weiter verbreitet wäre. Weder in Schule, akademischer Laufbahn noch in den meisten Kirchen kann man lernen mit dem Werkzeugen der eignen Aufmerksamkeit wahr zu nehmen und zu unterscheiden. Deswegen sind alle Titel die sie produzieren im Gegensatz zu eignen Anstrengungen auf diesem Gebiet wertlos, ja sogar schädlich, da ihre Träger sich zuweilen eine Autorität einbilden die sie nicht bewusst ausfüllen und ihren Schülern zusätzliche Hürden aufladen Gott überhaupt zu erkennen.

Dementsprechend kann ich Religionen, die ja immer wieder irrtümlicherweise mit dem Thema in Verbindung gebracht werden, nicht als geeigneten Weg empfehlen Gott zu erkennen. Auch wenn ihre Lehren, in den richtigen Kontext gesetzt, sehr viele Wahrheiten enthalten und ihre Gründer, oder die als solche genannt werden, meißt zweilfellos zu den kompetesten Menschen gehören, deren Rat man zu dem Thema erhören sollte, halte ich jedes Dogma und und jede starre Organisation, die den Einzelnen beschneidet für wiedernatürlich und eine Gotteslästerung, soweit es sowas überhaupt gibt.

Wenn man auch die verschiedenen Religionen vergleicht, die ja nichts weiter als verschiedene, (mehr oder weniger befahrbare) Straßen zum gleichen Ziel sind, kommen ja immer wieder Menschen auf die Frage: "Welcher ist nun der richtige Gott, oder gibt es mehrere?". Und das ist eigentlich schon die Kernfrage, denn das Universum hat natürlich nur einen Ursprung. Falls jemand von mehreren Göttern spricht, mag er damit auf Gedanken oder sehr weit entwicklete Lebewesen verweisen, aber nicht den Funken von dem alles ausgeht. Gerade weil sehr viele Menschen ihre Religion nicht gründlich kennen und ihnen nicht bewusst ist, daß sie sich Lebewesen unterordnen die geistig sehr hochstehend aber auch sehr grausam waren und sehr viel Leid verursacht haben, meide ich gerne das G-Wort.

Der Schöpfer den ich meine, drückt sich durch alle Lebewesen und durch die Liebe in unseren Herzen aus. Er/Sie ist gewissermaßen vollkommen, so wie wir auch, einziger Unterschied ist lediglich daß wir unsere Freiheit, die seiner bedingungslosen Liebe entspringt oft nutzen um uns anders zu entscheiden. Aber er/sie lernt durch unsere Perspektive ständig hinzu und sehnt sich nicht nach Kindern, die ihn anbeten, denn das würde uns noch mehr von ihm trennen sondern er will in Liebe verbundene, bewußte und gleichberechtigte Mitschöpfer die Freude am Spiel haben und dem Ganzen ihre Eigenheit und neue Möglichkeiten hinzufügen. In dem wir unsere Freiheit ausleben, erfüllen wir seinen Willen.

Woher ich das wissen will? Das spürt man doch!

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